DAS SCHICKSAL DER STANISLAUER ANSTALTEN NACH 1945
D 14 (
lose Blätter im Archiv)


Rückblick (kein Verfasser-Name, kein Datum)


Gründung des Kinderheimes am 31.8.1896 in dem alten Haus ‚Bethlehem’ mit 12 Kindern.

In seinem Bericht über das 41. Anstaltsjahr nannte der Anstaltsleiter P. Zöckler beim Jahresfest der Anstalten am 1.11.1937 folgende Zahlen:
‚Die Gesamtbevölkerung der Anstalten einschließlich der Mitarbeiter und ihrer Familien betrug 530. Von den 428 Pflegebefohlenen des Jahres waren 360 Kinder und Jugendliche und 68 Alte, Schwache und Anormale. Waisenkinder (Vollwaisen und solche, die entweder nur noch Vater oder Mutter hatten) hatten wir 187 /einschließlich der unehelichen Kinder).

- Von den 360 Kindern und Jugendlichen besuchten unsere evangelische Volksschule 160, unser evangelisches Gymnasium 94, andere Schulen 8; kleine noch nicht schulpflichtige Kinder hatten wir im ganzen 32; Lehrlinge und solche, die bereits in wirtschaftlichen Betrieben etwas verdiensten, zusammen 40; im Haushalt waren 26 tätig. Das volle Kostgeld von 50 Zloty monatlich bezahlten uns nur 12 unserer Pflegebefohlenen. 125 bezahlten ein mehr oder weniger ermäßigtes Kostgeld, 29 verdienten sich ihren Unterhalt mehr oder weniger durch Mitarbeit in der Anstalt; 194 mussten ganz aus Anstaltsmitteln erhalten werden. Darunter befinden sich 75 Pflegekinder, für die von treuen Menschen und Freunden der Anstalten ein monatliches Pflegegeld von 15 bis 40 Zloty gezahlt wurde.
Nach ihrer Herkunft stammten von unseren Zöglingen und Pfleglingen aus dem Kirchengebiet der evangelischen Kirche A. u. H.B. in Galizien (den vier Wojewodschaften Krakau, Lemberg, Stanislau und Tarnopol) 315 und 62 = 377, aus dem übrigen Polen hatten wir 18 und aus anderen Ländern 13 Pflegebefohlene, Alle die vorstehenden Zahlen beziehen sich auf die evangelischen Insassen der Anstalten. Nichtevangelische hatten wir im vergangenen Anstaltsjahr im ganzen 20. Es sind dies vor allem Kinder, die wir im Sinne der einst bei der Gründung unseres Hauses ‚Sarepta’ aufgestellten Grundsätze in unser Kleinkinderpflegeheim (Krippe) aufgenommen haben, die aber, wenn sie größer werden, dann meist anderen Anstalten, in welchen sie in ihrem eigenen Religionsbekenntnis erzogen werden können, übergeben werden.
Die aus unserem Kirchengebiet stammenden Pflegebefohlenen verteilen sich auf die einzelnen Pfarrgemeinden unseres Kirchengebietes wie folgt: Stanislau 58 usw.


197 Pflegebefohlene werden ohne jegliches Kostgeld und irgendwelche regelmäßigen Zahlungen unterhalten

bedingt durch die Devisenbestimmungen des 3. Reiches fließt von dorther kein Geld mehr


Wenn ich (slc. Theodor Zöckler) in stillen Abendstunden manchmal durch meinen Garten gehe, dann wir mir oft ganz eigen zumute, wenn ich die vielen erleuchteten Fenster in all den Häusern sehe, die zu unseren Anstalten gehören. Überall leben Menschen, die Glieder der Anstalten sind und die von ihnen unterhalten werden. Und täglich sollen sie doch satt werden und alle sollen sie ein trauliches Heim haben und für den Winter eine warme Zufluchtsstätte, und alle die vielen Jugendlichen sollen doch etwas Tüchtiges lernen! Und wenn dann mein Blick auf unsere Schulgebäude fällt und wenn ich mir klar mache, dass auch die Schulen , unsere siebenklassige Volksschule und unser Gymnasium, größtenteils jetzt von Anstalten erhalten werden müssen - dann wird mir oft ganz wunderbar zumute. Ich vermag es dann selbst nicht zu verstehen, wie es möglich ist, dass das alles von Tag zu Tag seinen ruhigen Gang weitergeht und dass doch immer wieder schon seit 41 Jahren in allen Zeiten, auch in dem großen Weltkrieg, auch in der Zeit nach dem Kriege und in der Zeit der schlimmen Wirtschaftskrise immer noch genug vorhanden war, um allen das zu geben, was sie bedurften, Dann kann ich nur still die Hände falten und sagen: Ich weiß es nicht, aber du weißt es, treuer Gott, wie es möglich war. Und wenn ich dann den Blick erheben zum gestirnten Himmel und droben die Sterne sehe, diese Millionen Weltkörper, die alle ihre Bahnen haben und in einer gewaltigen Harmonie alle auf ihren Wegen im Weltraum kreisen, ohne sich zu stoßen und zu stören - dann weiß ich: Es ist derselbe wunderbare, unbegreifliche Gott, der dieses ungeheure Weltall geschaffen hat und erhält und der unsere Arbeit auch ins Leben gerufen hat und sie erhält. Und da kommt ein großes Gottvertrauen in die Seele.

Unsere Freunde werden es freilich, auch ohne dass ich es ihnen besonders schildere, mir glauben, dass die Frage der Erhaltung unseres Anstaltslebens mit solchen Stunden der Erhebung zum Höchsten und mit solchen Glaubenserlebnissen noch nicht erledigt ist. Wir haben uns nicht nur in unseren Anstalten sondern auch in unserer Diasporakirche überhaupt immer an den gehalten: Glaube so, als wenn von dir nichts abhinge sondern alles nur von Gottes Gnade - aber gleichzeitig arbeite so, als wenn von Gott gar nichts abhinge, sondern allein von dir! Und so ist es auch mit der Erhaltung unserer Anstalten, so geht es von Jahr zu Jahr! Es ist ein großes Ringen ums Durchkommen; es müssen viele, sehr viele zusammenarbeiten, es muss viel Kleinarbeit, kleinste Arbeit getan werden, damit alles seinen geregelten Gang geht und damit wir durchkommen.“


D. Zöckler spricht dann von Schulden, die aus schweren Jahren stammen, die aber Schulden bei unseren eigenen kirchlichen Fonds sind oder bei solchen Freunden und Wohltätern, welche die Lage kennen und in keiner Weise mit Rückzahlungsforderungen drängen.


Wir können die Schulden fast ganz los werden, wenn wir uns entschließen könnten, einige sehr wertvolle Grundstücke und Felder zu verkaufen …“



1938 konnte noch die längst fällige aber immer wieder verschobene Erneuerung des alten Stammhauses ‚Bethlehem’ durchgeführt werden.

Aber die Lage in den beiden letzten Jahren vor Kriegsausbruch war doch immer schwieriger geworden.

Es konnten nur weniger Kinder aufgenommen werden - Rückgang auf die Gesamtzahl der Pflegebefohlenen von 428 (1937) auf 399 (1938). Und im Sommer mussten wegen der ernsten Lage etwa 60 Kinder zu den Angehörigen entlassen werden – hauptsächlich weil die Spenden von Freunden aus Deutschland wegen der strengen Devisenbestimmungen nicht transferiert werden konnten..

Im Juli 1939 konnten den Mitarbeitern ihre Gehälter nicht voll ausgezahlt werden.


Umsiedlung:

Bei Kriegsausbruch am 1. September 1939 waren die Gymnasiasten und ein Teil der Volksschüler, soweit sie Eltern hatten, zu Hause (Sommerferien - Mobilmachung in den letzten Augusttagen.

So zählte die Anstaltsgemeinde, die am 25. Dezember 1939 geschlossen im Umsiedlungstransport mittags 12 Uhr Stanislau verließ, nicht mehr über 500 Personen sondern nur noch etwa die Hälfte.

Entscheidend war, dass alle mitkamen, auch die Gelähmten, die in Fahrstühlen an den Zug gebracht wurden und die Geistesschwachen.
Auch der Stifter des Diakonissenhauses Sarepta, der Erölgrubenbesitzer Herr von Kaufmann mit Ehefrau aus der Filialgemeinde Solotwina, 81 J und krank (in Krakau im Krankenhaus verstorben)

26.12. um 14 Uhr passiert der aus 52 Güter- und 2 Personenwagen bestehende Zug die Grenze zwischen Russischem und deutschem Gebiet auf der Brücke über den San-Fluß bei Przemysl;
auf der deutschen Seite kein Bahnhof
der deutsche Zug kommt erst 4 Stunden später, Warten in einer Kaserne mit Erbsensuppe und Kaffee.
Der deutsche Zug hatte nicht genug Wagen - von den 1242 Stanislauer Umsiedlern mussten 150 zurück bleiben, um am nächsten Tag nachzukommen, darunter Schwester Martha Zöckler mit 100 Anstaltsangehörigen: einem Teil der Alten und Geistesschwachen, den kleinen Kindern, einer Gruppe von Mädchen, 3 Schwestern u.a.
Der Zug, dessen Heizung erst nach Stunden in Gang kam, traf erst am nächsten Nachmittag in Krakau ein.

D. Zöckler und seine Frau durften hier auf Anordnung der Volksdeutschen Mittelstelle in Berlin den Zug verlassen und fuhren dann direkt nach Berlin:

Weitere Stationen des aus Stanislau kommenden Zuges: Lodzsch - Oberfrohna bei Chemnitz und Rabenstein. Daselbst Unterbringung in Lagern

In Oberfrohna, meist in Sälen von 25 – 30 Personen, 5 Monate Lagerzeit, bis es Anfang Juni zur Ansiedlung in den Osten ging.


Eine Gruppe von 20 alten Männern geistesschwachen Frauen der Anstalten wurden im Frühjahr mit 3 unserer Schwestern in ein Nebenlager in Gelenau / Erzgebirge verlegt. Die geistesschwachen Frauen wurden im Juni, als es zur Ansiedlung ging, von Pirna aus, auf Anordnung der Lagerleitung, in eine Heil- und Pflegeanstalt gebracht. Wir wussten damals noch nicht, welches Schicksal ihnen bevorstand.


Oberin Martha mit ihrer Gruppe gelang es während der 5-wöchigen Lagerzeit nicht, wieder mit dem andren Teil der Anstaltsgemeinde zusammen zu kommen.

 Krakau Lodzsch Pirna, ehem. Schloss Sonnenstein - großes Gebäude, das ca.2000 Umsiedler aufnahm - im April Verlegung nach Großschönau bei Zittau,

Die schwachsinnigen Männer waren gleich nach dem Eintreffen in Pirna in eine Heil- und Pflegeanstalt verbracht worden (Euthanasie)
vgl. das Schicksal einer Judenchristin, viele Jahre ans Bett gebunden und in Stanislau

Gepflegt - in ein Krankenhaus im Generalgouvernement gebracht, verstarb dort
Amalie Halpern und ihre alte judenchristliche Mutter, kam schon vor dem

1. Weltkrieg nach Stanislau - zur sehr befähigten Lehrerin ausgebildet - wandte sich

ganz vom Judentum ab und fühlte sich als Deutsche - hatte in Stanislau mit ihrer
Mutter in Krakau den Zug verlassen müssen - dort bis 1994 unerkannt gelebt, schließlich doch noch angezeigt - seitdem fehlt jede Spur.



Die Zwischenzeit 1940 – 1945

Th. Zöckler unternimmt in Berlin alles nur Denkbare, um die Fortführung der Anstalten möglichst im Ansiedlungsraum der Umsiedler aus Galizien zu erreichen - vergeblich!
Schreiben der Reichsärztekammer vom 28.8.1940:
„Sehr geehrter Herr Dr, Zöckler! Auf Ihre verschiedenen Eingaben haben wir Ihnen seitens des Reichsführers SS Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums mitzuteilen, dass, obwohl von allen Seiten die von den Zöcklerschen Anstalten geleisteten Arbeiten das Deutschtum in Galizien voll anerkannt werden, aus grundsätzlichen Erwägungen ein eigenständiges Weiterbestehen der kirchlichen Sonderanstalten, besonders in den neuen Ostgebieten nicht gebilligt werden kann. Es bleibt den Schwestern der Anstalten unbenommen, sich in die große Diakoniegemeinschaft einzuordnen und praktisch an Aufgaben, die geeignet erscheinen, mitzuarbeiten. Hel Hitler! gez. Zietz


Von einem Ersatz für das große zurückgelassene Vermögen der Anstalten an Grundstücken, Gebäuden und Einrichtungen, das D. Zöckler auf 1.800.000 Zloty = 900.000 RM geschätzt hatte, war hier und später nie die Rede.


Es war also nur der Eintritt der Stanislauer Schwestern in eine bestehende Arbeit erlaubt! Dafür lag schon seit März/April 1940 ein Ruf vom Vorstand des Diakonissenmutterhauses Ariel mit seiner Orthopädischen Heilanstalt in Wolfshagen, Kreis Wirsitz/Westpreußen vor, vermittelt durch Oberin Auguste Mohrmann welche die Diakoniegemeinschaft , den Zusammenschluss der ev. Schwesternverbände, leitete.

Anstalt Wolfshagen 1909 gegründet, Oberin Clementine von der Goltz
deren Nachfolgerin hatte sich der Deutschen Glaubensbewegung von Frau Mathilde Ludendorff zugewandt und sich von der Kirche entfernt. Nach der Eingliederung Westpreußens in das Deutsche Reich übergab sie unter Übergehung des Vorstandes die Anstalt der NSV. Der Vorstand unter dem energischen, tatkräftigen Grafen von der Goltz, einem Neffen der alten Oberin, und seinem Stellvertreter, Superintendent Eichstädt in Bromberg, setzte die Rückgabe der Anstalt an die Innere Mission und die Absetzung der Oberin durch, die mit wenigen Schwestern aus dem Mutterhaus ausschied.
Schwester Martha tritt Ende August / Anfang September als Oberin und unter Mitnahme des Großteils der Stanislauer Schwesternschaft (einige hatten angesichts der ungesicherten Zukunft bereits im Lager die Schwesterngemeinschaft verlassen) in die Arbeit in Wolfshagen ein.
Daneben übernahmen einige Schwestern des Mutterhauses 1941 auch noch Städtische Säuglingsheim in Bromberg.
Pastor Martin Zöckler übernahm das vakante Pfarramt in Groß-Elsingen, mit dem schon immer die Stelle des Anstaltspfarrers verbunden war (S. 7)

Für die anderen Zweige der Stanislauer Anstalten war in Wolfshagen aber kein Raum. Einer Anzahl der mit umgesiedelten Kinder konnte durch den großen Freundeskreis der Stanislauer Anstalten Pflegestellen in christlichen Familien vermittelt werden. Diejenigen Kinder, für die das nicht mehr gelungen war, mussten der NSV übergeben werden und kamen in ein Kinderheim in Kalisch.
Eine Gruppe von 25 Alten aus dem Altersheim Sunem der Stanislauer Anstalten konnte nach vorübergehender Unterbringung in dem Freizeitheim der Posener Kirche in Langenolingen bei Gnesen im November 1940 in das Altersheim der Inneren Mission bei Karthaus in der Nähe von Danzig einziehen, dessen Leitung Diakon Albin Schlözel mit seiner Frau, seit über 30 Jahren Mitarbeiter der Anstalten in Stanislau übernahm, denen 2 Stanislauer Diakonissen zur Pflege der Heiminsassen zur Seite standen.

Die zentrale Leitung der ehemaligen Stanislauer Anstalten behielt D. Zöckler, der Ende September 1940 mit seiner Frau und den Mitarbeitern seiner Kanzlei von Berlin nach Lissa bei Posen umgezogen war. Dort wohnte er in dem leerstehenden 2. Pfarrhaus der reformierten Gemeinde, deren Pfarrer D. Zöcklers Schwiegersohn Bickerich war. Er richtete dort die die ‚Abwicklungsstelle der Evangelischen Kirche A. und H.B. in Galizien sowie der Stanislauer Anstalten ein, zu deren Hauptaufgaben die Ordnung der Verhältnisse der umgesiedelten Pfarrer, Pfarrwitwen, Lehrer und Mitarbeiter der Anstalten zählte. Von Lissa aus wandte er sich in Rundschreiben an die umgesiedelten Glieder der evangelischen Gemeinden aus Galizien, um die Verbindung aufrecht zu erhalten, sie zu stärken und ihnen Mut zu machen, ihren evangelischen Glauben nicht aufzugeben.

Ende Januar 1941 besuchte er die in Leslau angesiedelten Galizien-Deutschen, vor allem der Lemberger uns Stanislauer Gemeinden. Mehrmals war er mit seiner Frau auch in der Anstalt Wolfshagen. (S .7/8)



Die Flucht.

Deutscher Vormarsch endet 1943 bei Stalingrad

Albert Graf von der Goltz, Oberst und Kommandeur eines Geb.-Jägerregiments, erlag am 17.3.1944 seinen schweren Verwundungen in einem Lazarett in Odessa.
Pastor Martin Zöckler, im August 1943 einberufen, erlitt am 15.8.1944 einen Oberschenkelschussbruch und kam in ein Lazarett in Sangershausen.


Oktober 1944 gehörten zur Anstalt Wolfshagen 81 Pfleglinge, darunter 72 Körperbehinderte, Kleinkinder, Jungen und Mädchen, 6 Sieche, 27 Schwestern

Die Anstalt lag 14 Kilometer von der Bahn entfernt, nur durch eine Kleinbahn zu erreichen, die in den kritischen Tagen nicht verkehrte (S.8)


Räumungsbefehl am 21. Januar 23 Uhr.
Mit Pferdewagen mussten die behinderten Kinder, zum großen Teil in Gips, und die Siechen zum Bahnhof Krojanke gefahren werden. Schwester Martha Zöckler mit 4 Schwestern und einigen elenden Pfleglingen hatten sich schon auf das Zurückbleiben eingestellt, wurden aber am 24. Januar durch zwei beherzte Schwestern, die mit zwei Pferdewagen noch einmal umgekehrt waren, nach Krojanke geholt. (S. 9)


3-wöchige Fahrt (mit großen Unterbrechungen) im Güterwagen in drangvoller Enge
Hinterpommern, Swine, Swinemünde Greifswald Rostock Schwerin Ludwigslust Lüneburg Rotenburrg / Hannover Stade, wo sie am 16. Februar eintrafen.

Freundliche Aufnahme; Einsatz im Hilfskrankenhaus (Unterbringung in der noch leeren Berufsschule)
Andere Gruppen aus Wolfshagen gelangen in das als Ausweichstelle vorgesehene Oberlinhaus in Potsdam-Babelsberg

- wohin auch D. Zöckler mit seiner Frau, Tochter Leni Tochter Lotti Bickerich mit 4 Kindern und Schwiegertochter Dorothea Zöckler mit 3 Kindern aus Lissa kamen. Diese alle kamen noch im März nach Stade, D. Zöckler mit Familie mit einem Zwischenaufenthalt im Diakonissenmutterhaus in Dessau, wo sie am 8. März den schweren Luftangriff auf diese Stadt erlebten. (S. 9)

Das Schicksal der Alten im Altersheim Kobissau - da sie nicht mehr fliehen konnten.

Anfang März Einmarsch er Russen - 6 Wochen in einem Stall, nur notdürftig ernährt, 10 Pflegebefohlene sterben und Hunger und Krankheit - einer erschossen - ein anderer jüngerer verschleppt
Als die Polen die Verwaltung übernahmen, durften die Schwestern mit den noch lebenden Alten wieder in das Heim ziehen. Ende Juli wurde die Auswesung aller Deutschen bekannt gegeben. Das Ehepaar Schlözel, die beiden Schwestern und 2 Pfleglinge erhielten die Ausreiseerlaubnis in Richtung Berlin. Sechs der noch lebenden Alten aus dem Stanislauer Altenheim Sunem mussten sie in dem nun polnischen verwalteten Altersheim Kobissau zurück lassen.
Herr Schlözel wird noch einmal Hausvater im Kinderheim der IM in Feldkirchen.





In Stade (S. 10 und 11)

Von Stade konnten die körperbehinderten Pfleglinge z.T. noch vor Kriegsende in Spezial-Anstalten (Sehlenburg bei Cuxhaven und Annastift Hannover) gebracht werden; nur einige, wie die körperbehinderten Mitarbeiterinnen der Nähstube, bleiben bei den Schwestern, die nun frei waren, um die Pflege im Hilfskrankenhaus Berufsschule (100 Betten) zu übernehmen, das bald voll belegt war mit Flüchtlingen, auch Typhuskranken. Bei deren Pflege infizierte sich eine unserer Schwester und verstarb im Juni 1945.

Im Laufe des Sommers trafen alle versprengten Schwestern, auch die aus dem Städtischen Säuglingsheim in Bromberg, ein.
Martin Zöckler kam, aus einem Lazarett entlassen, im August d.J. nach Stade.


Der Verwaltungsleiter des Städtischen Krankenhauses, Stadtinspektor Kühlcke, der sich von Anfang an der Stanislauer verständnisvoll und tatkräftig angenommen hatte, bietet den Pflegedienst im Städtischen Khs, an.
Nach einem gewissen Zögern - nur 29 Schwestern) - wurde das Angebot angenommen.
Pflegedienst im Städtischen Krankenhaus ab dem 1. Oktober 1945
Eröffnung einer Krankenpflegeschule
Oberin Martha nimmt den Ruf nach Bremen an - dort hatte sie 1921/22 die Krankenpflege erlernt (von ihrem Bremer Großvater stammte die große Erbschaft, durch die es Lillie und Theodor Zöckler möglich wurde, die Stanislauer Anstalten zu begründen)

Am 7. März wird Martha in Bremen als Oberin eingeführt - sie bleibt noch Oberin des Diakonissenmutterhauses Ariel, bis Schwester Leni am 31.10. in Göttingen als Oberin eingeführt wird.


Das Alten- und Pflegeheim Gut Hahle wird auf Bitten der Stadt eingerichtet und im September 1946 eröffnet - bald 70 Insassen
kleiner landwirtschaftlicher Betrieb


D. Zöcklers Kräfte nehmen nach seinem 80. Geburtstag am 5.3.1947 rapide ab er starb am 18.9.1949.
Lempp predigt über das Wort: ‚Selig sind, die nicht sehen und doch glauben’. (Joh. 20,29)

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